Island - Begegnungen 2022

Begegnungen 2022 – Island heißt es in diesem Herbst in der Stadt Oldenburg. Island als vergleichbares kleines Land hat eine Menge zu bieten: beeindruckende Natur, mannigfaltige Dichte an Kunst und Kultur, Zufriedenheit der dort lebenden Menschen.
Wir freuen uns sehr, dass wir von September bis November einen kleinen Einblick in das isländische Filmschaffen geben können. Denn Island ist in den letzten Jahren zu einer festen Größe im europäischen Kino geworden und begeistert uns mit eigenwilligen, skurril-witzigen Geschichten, in denen die Natur oftmals eine ganz besonders beeindruckende Rolle spielt. Lassen Sie sich überraschen!

 

 

 

Am Mo. 26. Sept. um 20.00 Uhr:

Milchkrieg in Dalsmynni

Héraðið. Von Grimur Hákonason mit Arndis Hrönn Egilsdottir u.a., ISL/DK/DE/F 2019, 92 Min., isländ. Originalfassung mit dt. Untertiteln

Inga und Reynir betreiben in der isländischen Provinz eine kleine, hochverschuldete Milchfarm. Inga hat jung geheiratet und ihr Leben damit verbracht, Kinder großzuziehen und eine gute Ehefrau zu sein - obwohl die Liebe inzwischen verblasst ist. Die Kinder sind inzwischen ausgezogen und Inga ist einsam. Ihre tägliche Routine besteht aus dem Haushalt und der ständigen Kontrolle und Überwachung der inzwischen fast vollständig automatisierten Milchfarm.  Nachdem Reynir bei einem Autounfall ums Leben kommt, versucht Inga die Farm alleine zu bewirtschaften. Damit steht sie plötzlich als Frau inmitten einer von Männern dominierten, konservativen Gemeinde und muss mit der Kooperative über die katastrophale finanzielle Situation verhandeln, die ihr Mann hinterlassen hat. Mit der Zeit gewinnt sie immer tiefere Einblicke in die Machenschaften der Kooperative und erkennt, dass alle Bauern in der Gemeinde von dieser abhängig gemacht und erpresst werden. Doch Inga wehrt sich. Unter Einsatz von sozialen Medien und stinkender Gülle macht sie ihren Standpunkt klar.

Einer der wichtigsten isländischen Regisseure ist Grímur Hákonarson, der 2015 für Sture Böcke mit dem Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard in Cannes ausgezeichnet wurde. Milchkrieg in Dalsmynni ist sein neuester Film und er beweist vor der malerischen Kulisse Islands, dass es manchmal nur einer Person bedarf, um Änderungen zu bewirken. Mit Inga (großartig: Arndís Hrönn Egilsdóttir) hat Hákonarson  eine starke weibliche Hauptfigur erschaffen, die es im Alleingang gegen eine korrupte landwirtschaftliche Kooperative in ihrem Bezirk aufnimmt.  Der Film feierte seine Premiere im Wettbewerb des Toronto Filmfestivals 2019.

Am Mo. 3. Okt. um 20.00 Uhr:

Cop Secret

Leynlögga. Von Hannes Þór Halldórsson mit Rúrik Gíslason, Egill Einarsson u.a., ISL 2021, 98 Min., dt. Fassung


Bússi und Hörður sind die coolsten Supercops Reykjaviks: Sie sind superschnell, superstark und vor allem supermännlich – zumindest, wenn man sie fragt. Aktuell ermitteln sie in einer Reihe von Raubüberfällen, prügeln sich durch Kaschemmen, liefern sich Verfolgungsjagden und entdecken dabei eine Leidenschaft füreinander, die so gar nicht in ihr Männlichkeits-Bild passt. 

Toxische Männlichkeit, Frauenfußball, Bankraub in einem – und dann noch lustig? Die Isländer können einfach alles. Die vor Anspielungen auf die Actionwelt der Achtzigerjahre strotzende Parodie Cop Secret ist das Regiedebüt von Hannes Þór Halldórsson, ehemaliger Torhüter der isländischen Fußballnationalmannschaft, feierte im Wettbewerb des 74. Locarno Film Festivals seine Weltpremiere, war der Eröffnungsfilm bei den Nordischen Filmtagen Lübeck 2021, wurde hier mit dem Preis für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet und gilt als der erfolgreichste lokale Kinostart aller Zeiten in Island. Freuen Sie sich auf einen sehr vergnüglichen Film mit einem coolen Duo!

Am So.  9. Okt. um 11.00 Uhr:

Snorri & der Babyschwimmclub

Dokumentarfilm von Elín Hansdóttier, Anna Run Tryggvadóttir und Hanna Björk Valsdóttir, ISL 2019, 79 Min.

Wenn es um isländische Dokumentarfilme geht, steht dieser Film von drei Regisseurinnen immer mit an erster Stelle: Snorri & der Babyschwimmclub ist ein wunderbarer, höchst vergnüglicher Film nicht nur über die Schwimmschule von Snorri Magnussen, sondern über das Leben und den Menschen im Allgemeinen.
Quietschvergnügte Babys, die freudig ins Wasser plumpsen und unter Wasser tauchen. Eltern, die stolz zusammen mit ihren Babys Lieder singen, während sie im Wasser planschen. Wir befinden uns in der Schwimmschule von Snorri Magnusson, einem Mann, der Wunderliches möglich macht und sowohl Babys als auch Eltern zum Staunen bringt. Snorri ist kein gewöhnlicher Schwimmlehrer: Er ist der „Babyflüsterer“. Befreit von jeglichem falschen Ehrgeiz tritt Snorri den Kindern mit beachtenswerter Empathie und liebevoller Geduld entgegen. Jene Zugewandtheit hat Snorri nun schon vor mehr als 7.000 Säuglingen und ihren Eltern bewiesen – und nun lässt uns diese wunderbare Doku selber daran teilhaben.

„Filmtipp des Tages: Ein Dokumentarfilm voller Hingabe, Wärme und Leidenschaft.“ Süddeutsche Zeitung
„Ein Film, der zeigt wo Glück ganz groß ist.“ ZDF Heute journal

Am Mo. 17. Okt. um 20.00 Uhr:

The Northman

Von Robert Eggers, Drehbuch Robert Eggers & Són. Mit Ethan Hawke, Björk, Nicole Kidman, Alexander Skarsgård u.a., 132 Min., GB/ USA 2021, FSK 16, dt. Fassung


Im Jahr 895 herrscht der Wikingerkönig Aurvandil über sein Reich, aber plant bereits die Zukunft. Er will sich in die Totenwelt verabschieden und die Macht seinem jungen Sohn Amleth übertragen. Doch Aurvandils Halbbruder Fjölnir hat andere Pläne und tötet den König, um selbst den Thron an sich zu reißen. Der junge Prinz kann fliehen, muss aber noch mitansehen, wie sein Onkel Fjölnir Königin Gudrún, Amleths Mutter, gefangen nimmt. Er schwört, eines Tages seinen Vater zu rächen, die Mutter zu befreien und Fjölnir zu töten. Viele Jahre später ist Amleth ein kräftiger Krieger, der seinen Schwur von einst vergessen hat. Als Teil einer marodierenden Bande plündert er das Land der Rus – bis er beim Überfall auf ein Dorf an seinen alten Schwur erinnert wird und auf einen brutalen Rachefeldzug geht…

The Northman ist zwar kein isländischer Film, aber er basiert auf der bekannten Wikinger-Legende von Amleth, die Shakespeare als Vorlage für seinen Hamlet diente. Verrat und Intrige, Sühne und Vergeltung, Schlachten und Mystik - Robert Eggers erzählt die Geschichte als düsteres, brutales Rache-Epos und vereint packende Bildgewalt und intensiver Atmosphäre mit nordischer Mythologie und gnadenlos erbitterten Schlachten. Das ist archaisches Kino und absolut nichts für schwache Nerven!

Am So. 6. Nov. um 11.00 Uhr:

Virgin Mountain

Fúsi. Von Dagur Kári mit Gunnar Jónsson, Ilmur Kristjánsdóttir u.a., ISL/DK 2014. 94 Min., isländ. Originalfassung mit dt. Untertiteln


Wie viele Kilo mag Fúsi auf die Waage bringen? Hundertfünfzig? Oder mehr? Niemand vermag es zu sagen, nicht einmal er selbst. Denn im Grunde lebt der 43-Jährige fast traumwandlerisch in den Tag hinein. Er lebt noch bei seiner Mutter, arbeitet auf dem Flughafen, hatte noch nie eine Freundin und in seiner Freizeit widmet er sich am liebsten Spielzeugsoldaten. Als er von einem Kollegen einen Tanzkurs-Gutschein erhält, lernt er die attraktive, lebenslustige Sjöfn kennen, die in ihm ganz neue Gefühle auslöst. Jetzt ist es an Fúsi, endlich der Welt zu zeigen, was in ihm steckt.

Der isländische Regisseur Dagur Kári hat schon mit seinen Filmen Noí Albínoí Noí und Dark Horse seinen wunderbar lakonischen Blick auf sympathische Außenseiter bewiesen, in Virgin Mountain (isländisch Fúsi) erzählt mit lakonisch-trockenem Humor so sensibel und berührend, dass man seinen scheuen Riesen ins Herz einfach schließen muss. Der Film war ein Publikumshit auf der Berlinale 2015, im April 2015 gewann er beim New Yorker Tribeca-Festival die wichtigsten Preise: bester Film, bestes Drehbuch, bester Darsteller. Gunnar Jónsson, befand die Jury, erinnere in seiner komödiantischen Traurigkeit an Charlie Chaplin und Buster Keaton. Mehr geht quasi nicht.