Architektur & Film
Eine Filmreihe in Kooperation mit der Jade Hochschule, FB Architektur
Seit Oktober 2024 haben wir eine neue Filmreihe im Programm, die sich mit Architektur beschäftigt. Gemeinsam mit dem Fachbereich Architektur der Jade-Hochschule haben wir auch für dieses Semester vier spannende Dokumentarfilme ausgewählt, die sich auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Themen der Architektur beschäftigen.
Zu jeder Vorstellung haben wir Expert*innen für ein Filmgespräch im Anschluss an den Film eingeladen.
Den Flyer in Webversion gibt es hier.
Am MoNTAG, 16. März um 19.30 Uhr:
Architektur des Glücks
Mit Filmgespräch – zu Gast ist Jakob Melchert, Architekt und Mitglied des Bundes Deutscher Architekten Oldenburg
Eine Spielbank - die größte in Europa - meldet Konkurs an und reißt ein ganzes Dorf mit in die Pleite. Das ist absurd, tragisch und erhellend.
100 Jahren lebte Campione d’Italia am Luganer See ausschließlich von einem Casino, sowohl wirtschaftlich als auch im Selbstverständnis seiner Einwohner. Es war Arbeitgeber für wirklich jede Familie, und es war Glamour und Weltläufigkeit. Nach dem plötzlichen Konkurs 2018 ist die Gemeinde pleite, die Menschen arbeitslos und das Casino thront als sinnlos gewordener Koloss. Die Feldforschung in diesem Mikrokosmos findet eine Mischung aus Sorglosigkeit, Selbstvergessenheit und Realitätsverlust: eine Parabel auf unser aller Beharrlichkeit im Angesicht der Krise.
Dokumentarfilm / Regie: Anton von Bredow, Michele Cirigliana / CH, D 2025 / 79 Min. / FSK 0
Am Montag, 20. April um 19.30 Uhr:
Gibellina – Il terremoto
Mit Filmgespräch – zu Gast sind der Regisseur Joerg Burger (angefragt) und Gerhard Lang, Künstler und derzeitiger Lehrbeauftragter an der Jade Hochschule
Das sizilianische Städtchen Gibellina wurde 1968 von einem Erdbeben zerstört und erst Jahre später in einiger Entfernung wieder aufgebaut. Die Errichtung des neuen Gibellina war getragen von einer engagierten Utopie der Erneuerung: gegen die traditionellen Kräfte aus Bürokratie, korrupter Politik und sizilianischer Mafia. Dieser Utopie ist Joerg Burger mit diesem Städteportrait auf der Spur, wenn er 40 Jahre später das gegenwärtige Leben in Gibellina Nuova konfrontiert mit den ursprünglichen Ideen. Er lässt Repräsentanten des Ortes zu Wort kommen, montiert Archivmaterial aus verschiedenen Phasen der Ortsgeschichte und zeigt die moderne Architektur, die reichlichen Kunstobjekte („das größte Freilichtmuseum moderner Kunst Europas“) und die weiten, leeren Räume der neuen Stadt.
Burgers Erzählweise und sein insistierender, verschmitzter Blick erschließen immer wieder neue überraschende Perspektiven auf eine Stadt. „Ein vielschichtiger, kluger, lustiger Film.“ (Isabella Reicher / Der Standard)“
Dokumentarfilm / Regie: Joerg Burger / AT 2007 / 75 Min. / OmU
Am Montag, 18. Mai um 19.30 Uhr:
Bowlingtreff
Mit Filmgespräch – zu Gast ist der Regisseur Adrian Dorschner
Leipzig, Ende der 1980er Jahre. Das Stadtbild ist geprägt von grauen Plattenbausiedlungen, trotzdem ist der Wohnraum knapp. Die baulichen Mittel sind erschöpft, der Auflösungsprozess der SED-Diktatur bereits spürbar. Inmitten dieser Tristesse entsteht unter dem Radar der Behörden eine kleine Sensation postmoderner Architektur in der DDR: ein Bowling-Center. Der BOWLINGTREFF wird zum Symbol des revolutionären Zeitgeists, des aufkommenden Wunsches nach Veränderung und der Sehnsucht nach einem besseren Leben. Dieser Film porträtiert kenntnisreich und liebevoll den einstigen Prachtbau und seine besondere Entstehungsgeschichte.
Bisher unveröffentlichtes Film- und Fotomaterial, ungewöhnliche Projektionen und exklusive Interviews machen das Lebensgefühl in Leipzig vor der Wende 1989 spürbar, und zeigen, wie der Bau des Bowlingtreffs bereits den Auflösungsprozess der SED-Diktatur andeutet.
Dokumentarfilm / Regie: Adrian Dorschner, Thomas Beyer / D 2016 / 60 Min.
Am Montag, 15. Juni um 19.30 Uhr:
Aalto – Architektur der Emotionen
Mit Filmgespräch - zu Gast sind Birgit Remuss, Architektin und Szenografin, Lehrkraft für Entwerfen, Darstellen und Gestalten, Jade Hochschule, und Johanna Kohlisch, Studentin der Architektur, Jade Hochschule
Alvar Aalto (1898–1976) und seine Ehefrau Aino (1894–1949) waren ein kreatives Powerpaar. Als Architektur- und Designteam schufen die beiden Finnen ikonische, organisch anmutende Gebäude, darunter zahlreiche Sommervillen in den nordischen Ländern, die Stadtbibliothek in Viipuri und die Heilig-Geist-Kirche in Wolfsburg. Zum populären Design-Stück avancierte die Aalto-Vase mit ihrem asymmetrischen Grundriss und der gewellten Form.
Regisseurin Virpi Suutari erzählt in ihrem Porträt vom Leben und Werk der beiden – und von der besonderen Liebe, die Alvar und Aino verband. Der Film nimmt uns mit auf eine Reise zu den eindrücklichsten Aalto-Bauten, von Finnland über Russland und die USA bis nach Frankreich, und zeigt Begegnungen mit den Rockefellers, Le Corbusier und László Moholy-Nagy. Suutari kombiniert aktuelle Aufnahmen mit Archivmaterial und lässt Zeitzeug*innen und Expert*innen zu Wort kommen.
Dokumentarfilm / Regie: Virpi Suutari / FI 2020 / 103 Min. / FS 0 / OmU