Architektur & Film
Eine neue Filmreihe in Kooperation mit der Jade Hochschule, FB Architektur
Seit Oktober 2024 haben wir eine neue Filmreihe im Programm, die sich mit Architektur beschäftigt. Gemeinsam mit dem Fachbereich Architektur der Jade-Hochschule haben wir auch für dieses Semester vier spannende Dokumentarfilme ausgewählt, die sich auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Themen der Architektur beschäftigen.
Zu jeder Vorstellung haben wir Expert*innen für ein Filmgespräch im Anschluss an den Film eingeladen.
Vorab ein paar Gedanken zur Filmauswahl, von Dr. Karsten Schubert (Jade Hochschule):
In The Fountainhead wird das Ringen des übermenschlich gezeichneten Architekten Howard Roark geschildert, eines unnachgiebigen jungen Architekten, der kompromisslos seine entwerferischen Prinzipien verfolgt, gegen verschiedene konformistische, der breiten gesellschaftlichen Meinung folgenden Gegenspieler.
Die Romanvorlage, in der – anders als im Film – die Figur des Architekten deutlich die Züge Frank Lloyd Wrighs trägt, stammt wie das Drehbuch von der russischstämmigen amerikanischen Autorin Ayn Rand und gilt seit seinem Erscheinen 1943 als Kultbuch nicht nur individueller Architekten und Unternehmer, sondern einer mehr und mehr erstarkenden libertären Bewegung, die gerade im Begriff ist, in den USA und anderswo sich politisch durchzusetzen.
Ayn Rand wählt die Figur des innovativen, gegen konventionelle Standards ankämpfenden Architekten, als Metapher für ihr Bild einer nicht mehr durch kollektives Gemeinschaftsdenken geprägten Gesellschaft. Nach ihrem Ideal braucht es einzelne, starke Individuen, die die Geschichte vorantreiben, ohne gegängelt und gezügelt zu werden. Mit der Machtfülle eines Peter Thiels oder Elon Musks erscheinen diese Vorstellungen erstmalig gesellschaftliche Realität werden zu können.
Es lohnt sich daher der Blick zurück in die Architektur, die bei Rand ja bereits als Modell gesamtgesellschaftlicher Bestrebungen diente.
Muss dem Architekten oder der Architektin tatsächlich Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstbestimmtheit zugestanden werden, damit architektonische Qualität (und Fortschritt) entstehen kann? Zieht die Gesellschaft daraus Gewinn?
Die weiteren Filme der Reihe zeigen starke Architekturpersönlichkeiten wie Peter Zumthor, Alvaro Siza Vieira, Peter Märkli, Bruce Goff, Helmut Jahn, Rem Koolhaas, Josef Paul Kleihues, Günter Behnisch oder Renzo Piano in jeweils unterschiedlichen Kontexten. Nach den Filmvorstellungen können die Fragen um die idealen Bedingungen für die Entstehung architektonischer Qualität und gesellschaftlichen Wandels, aber auch die Filme selbst diskutiert werden mit den jeweils anwesenden Regisseuren Christoph Schaub, Heinz Emigholz und Hubertus Siegert.
Am Mo. 20. Oktober 2025 um 19.30 Uhr:
The Fountainhead - Ein Mann wie Sprengstoff
Zu Gast ist der Architekt Horst Gumprecht (Angelis & Partner)
Von King Vidor mit Gary Cooper, Patricia Neil u.a., USA 1948, 114 Min.
Die Geschichte des visionären Architekten Howard Roark, der sich mit seinen kühnen, radikalen Ideen gegen Konventionen und ideenlosen Kollektivismus zur Wehr setzt und mit wachsendem Erfolg gegen seine Auftraggeber kämpft, denen er möglichst preiswerte Allzweckware liefern soll. Die Verfilmung des äußerst erfolgreichen Bestsellers The Fountainhead von Ayn Rand, der sich – anders als der Film - an der Biografie des Star-Architekten Frank Lloyd Wright orientiert, gibt der zeitgenössischen Architektur einen eindrucksvollen dramaturgischen Raum wie kein anderer Film Hollywoods.
Zur Vorstellung am 20.10. um 19.30 Uhr
Am Mo. 24. November 2025 um 19.30 Uhr:
Architektur der Unendlichkeit
Zu Gast ist der Regisseur Christoph Schaub
Dokumentarfilm von Christoph Schaub, CH 2024
Christoph Schaub diesem Gefühl von Transzendenz nach und erforscht die emotionale Wirkung von Räumen durch die Begegnungen mit den Architekten und Künstlern Peter Zumthor, Cristina Iglesias, Jojo Mayer, Alvaro Siza Vieira, Peter Märkli und James Turrell. Schaub rückt Schnittpunkte zwischen Proportion und Licht ins Zentrum und fühlt mit dem Besuch sakraler Bauten dem Verhältnis von Natur und Existenz nach. Architektur der Unendlichkeit ist eine Reise an Orte, an denen die eigene (Un-)Endlichkeit fühlbar wird.
Zur Vorstellung am 24.11. um 19.30 Uhr
Am Mo. 15. Dezember 2025 um 19.30 Uhr:
Goff in der Wüste
Zu Gast ist der Regisseur Heinz Emigholz
Dokumentarfilm von Heinz Emigholz, D 2003, 110 Min.
Goff in der Wüste zeigt 62 Bauten des amerikanischen Architekten Bruce Goff (1904-1982) – vom Tankstellenhäuschen bis zum repräsentativen Museumsbau – und ist damit die erste umfassende filmische Dokumentation fast aller seiner noch existierenden Gebäude. Bruce Goff ist der große Unbekannte einer originär amerikanischen Architektur. Seine baulichen Erfindungen und Entwürfe liegen quer zu den Idealen der dagegen exklusiv bekannt gewordenen International Style-Bewegung. Die Kontroversen, die das Werk von Bruce Goff zu seinen Lebzeiten auslöste, sind Legende. Fast jedes seiner Gebäude war ein Schock in der Landschaft, der neue, bis dahin ungeahnte Möglichkeiten von Architektur freisetzte.
Zur Vorstellung am 15.12. um 19.30 Uhr
Am Mo. 19. Januar 2026 um 19.30 Uhr:
Berlin Babylon
Zu Gast ist der Regisseur Hubertus Siegert
Dokumentarfilm von Hubertus Siegert, D 2001, 88 Min.
Berlin nach der Maueröffnung. Sichtbar zeigt die Stadt die Spuren der Leere, die Narben und Verschorfungen, die Krieg und Nachkriegszeit, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts hinterlassen haben. In der Situation des Umbruchs scheint alles offen und möglich zu sein. Die Bauleute machen sich an die Arbeit.
Berlin Babylon erzählt von der Melancholie einer Stadt, die ihre zerstörte Struktur mit aller Macht zurückgewinnen, die Schatten der Vergangenheit überwinden will. Was soll Bestand haben? Was wird abgerissen, was neu gebaut? Aus allen Himmelsrichtungen nähert sich die Kamera der Stadt, taucht ein in die Straßenschluchten, verweilt in den Hinterhöfen, schwingt sich über gigantische Neubauten. Wo eben noch geheimnisvolle Leere war, herrscht rastloser Baubetrieb. Wo gerade noch Gebäude standen, gähnt neue Leere. Dann ragen auch hier die Kräne in den Himmel.
„Siegerts atemberaubende Bilder sind Geschichte … Spannend wie ein Thriller!“ RBB/ARTE
Zur Vorstellung am 19.1. um 19.30 Uhr